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Frankfurt-Nordend Kriminalität 2026: Zahlen, Lage und Einordnung

Wie sicher ist das Nordend? Aktuelle Daten des Polizeipräsidiums Frankfurt (Stand 2025), der Vergleich mit der Gesamtstadt und eine ehrliche Einordnung, warum es keine Statistik allein fürs Nordend gibt.

Von Dirk Ludwig | 4. September 2026
Frankfurt-Nordend Kriminalität 2026: Zahlen, Lage und Einordnung © Foto: GeorgDerReisende / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Die Bushaltestelle Adlerflychtplatz im Frankfurter Nordend.

Wer im Nordend wohnt, kennt die Schlagzeilen über das Frankfurter Bahnhofsviertel, die offene Drogenszene und Messerangriffe in der Innenstadt.[7] Doch das Nordend liegt gut zwei Kilometer nördlich davon, zwischen Eschersheimer Landstraße und Friedberger Landstraße. Wie sicher ist dieser dicht bebaute Altbaukiez wirklich?

Wir haben die Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Frankfurt[1] und die hessische Jahresstatistik[3] ausgewertet und ordnen ein, wie das Nordend im Vergleich zum Rest der Stadt dasteht, welche Delikte die Frankfurter Bilanz prägen und wie sich die Lage über die letzten Jahre entwickelt hat. Vorab der wichtigste Hinweis, der diesen Text von Berliner Bezirksauswertungen unterscheidet.

Wichtig: In Frankfurt gibt es keine Kriminalstatistik je Stadtteil

Das Polizeipräsidium Frankfurt veröffentlicht die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) nur für das gesamte Stadtgebiet, nicht getrennt nach Stadtteilen wie dem Nordend.[1] Eine offizielle Fallzahl ausschließlich für das Nordend existiert öffentlich also nicht. Wir zeigen deshalb die belastbaren gesamtstädtischen Zahlen und ordnen das Nordend qualitativ ein, anhand der Lagebilder der Polizei und der bekannten Brennpunkte.

Was dich erwartet

Gibt es offizielle Kriminalzahlen nur fürs Nordend?

Nein. Anders als etwa die Polizei Berlin mit ihrem Kriminalitätsatlas weist die Frankfurter Polizei keine Fallzahlen je Stadtteil aus. Die PKS endet auf Stadtebene, ergänzt um einzelne Brennpunkte wie das Bahnhofsviertel und die Innenstadt, die gesondert betrachtet werden.[1] Auch die städtische Statistikstelle, das Bürgeramt, Statistik und Wahlen, führt in den Frankfurter Stadtteildaten Einwohner, Fläche und Sozialstruktur, aber keine Polizeidaten.[6]

Wer also liest, ein bestimmter Stadtteil habe genau so viele Straftaten, sollte vorsichtig sein: Solche Zahlen stammen fast nie aus einer offiziellen Quelle. Belastbar ist die gesamtstädtische Statistik, und genau die schauen wir uns jetzt an.

Wie viele Straftaten gab es 2025 in Frankfurt?

Im Jahr 2025 hat die Frankfurter Polizei insgesamt 113.603 Straftaten[1] erfasst. Das sind nur 336 Faelle mehr als im Vorjahr (113.267 in 2024), ein nahezu unverändertes Niveau. Die Aufklärungsquote lag bei 62,5 Prozent, also rund zwei von drei Faellen, leicht niedriger als 2024 (63,7 Prozent).

Aussagekräftiger als die reine Fallzahl ist die Häufigkeitszahl. Sie lag 2025 bei 14.624 Straftaten je 100.000 Einwohner.[2] Damit steht Frankfurt im bundesweiten Städtevergleich sehr weit oben, was aber stark mit der Methodik zusammenhaengt, nicht allein mit echter Unsicherheit.

Wie ist die Häufigkeitszahl zu lesen?

Die Häufigkeitszahl gibt an, wie viele Straftaten pro 100.000 Einwohner registriert wurden.[2] Sie macht Städte unterschiedlicher Größe vergleichbar. Für Frankfurt ist sie aus einem Grund verzerrt: Tagsüber ist die Stadt eine Millionenmetropole mit Pendlern, Touristen und dem größten deutschen Flughafen, gerechnet wird aber nur gegen die rund 780.000 Einwohner. Straftaten am Flughafen und auf Bahnanlagen fließen voll in die Frankfurter Bilanz ein, auch wenn die Tatverdächtigen gar nicht hier wohnen.

Frankfurt im Vergleich: die hessischen Großstädte

Innerhalb Hessens führt Frankfurt die Häufigkeitszahl mit deutlichem Abstand an.[2] Das liegt vor allem an Pendlerstrom, Tourismus, Flughafen und Bahnhof. Für den Alltag in einem Wohnviertel wie dem Nordend sagt dieser Spitzenplatz wenig aus. Damit die Städte untereinander vergleichbar sind, zeigt die folgende Tabelle die vom Bundeskriminalamt einheitlich nach Zensus 2022 berechneten Häufigkeitszahlen, die von der hessischen Landesmeldung für Frankfurt selbst leicht abweichen können.

RangStadtHäufigkeitszahl je 100.000 Einwohner (2025, Zensus 22)
1Frankfurt am Main15.026
2Kassel10.263
3Darmstadt7.671
4Wiesbaden7.554
5Offenbach am Main6.818

Die Werte zeigen: Frankfurt liegt bei der Häufigkeitszahl klar vor allen anderen hessischen Großstädten, vor Kassel als nächstplatziertem Vergleichswert. Für ein ruhiges Wohnquartier ist der gesamtstädtische Wert aber nur bedingt aussagekräftig, weil er stark von der Innenstadt und dem Bahnhofsumfeld getrieben wird.

Die häufigsten Delikte in Frankfurt

Die Frankfurter Bilanz 2025 wird von einigen wenigen Deliktgruppen geprägt. Auffaellig waren der Anstieg der Gewalt- und Rohheitsdelikte sowie ein neuer Höchststand bei der häuslichen Gewalt, waehrend Taschendiebstahl und Straßenraub im Bahnhofsumfeld zurückgingen.[1] Die wichtigsten Werte im Überblick:

Delikt (Frankfurt gesamt)Fälle 2025
Straftaten insgesamt113.603
Rohheitsdelikte (Körperverletzung, Raub, Bedrohung u. a.)16.005
Rauschgiftdelikte insgesamt4.152
Taschendiebstahl2.433
Häusliche Gewalt2.281
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung1.772
Wohnungseinbruchdiebstahl1.333
Straßenraub564
Straßendealerei (offene Drogenszene)745
Mord und Totschlag (inkl. Versuche)72

Was hinter den Zahlen steckt:

  • Gewaltdelikte legen zu. Die Rohheitsdelikte stiegen auf 16.005 Faelle (Vorjahr 14.520), getrieben von mehr Körperverletzungen, Bedrohungen und Beleidigungen.[1]
  • Taschendiebstahl geht zurück. Stadtweit 2.433 Faelle, ein Minus von 22,7 Prozent. Besonders im Bahnhofsumfeld wirkten Präsenz, Kontrollen und Videotechnik. Für das Nordend, das kein touristischer Hotspot ist, war Taschendiebstahl ohnehin nie das prägende Thema.[1]
  • Häusliche Gewalt auf Rekordniveau. 2.281 Faelle bedeuten ein Plus von 10,7 Prozent, rund 80 Prozent der Opfer sind weiblich.[1] Dieses Delikt verteilt sich über alle Stadtteile, auch über bürgerliche Wohnlagen.
  • Wohnungseinbruch zieht spürbar an. 1.333 Faelle, ein Plus von 26,6 Prozent gegenüber 2024.[1] Die Aufklärungsquote ist mit nur 11,9 Prozent niedrig. Für einen dicht bebauten Altbaustadtteil wie das Nordend mit vielen Mehrfamilienhaeusern ist das die relevanteste Deliktgruppe im Alltag.
  • Die offene Drogenszene bleibt im Bahnhofsviertel. Die Straßendealerei verdoppelte sich rechnerisch auf 745 Faelle, konzentriert sich aber auf das Bahnhofsumfeld, nicht auf Wohnviertel im Norden.[1]

Wie sicher ist das Nordend im Stadtvergleich?

Auch ohne Stadtteil-PKS laesst sich das Nordend belastbar einordnen. Der schlechte Ruf Frankfurts speist sich fast ausschließlich aus wenigen, eng begrenzten Arealen: dem Bahnhofsviertel als härtestem Brennpunkt, Teilen der Innenstadt sowie einzelnen Lagen in Gallus und Höchst.[8] Das Nordend gehoert nicht dazu.

In Sicherheitseinordnungen taucht das Nordend regelmaessig zusammen mit Westend, Bornheim und Sachsenhausen als lebendiges, sicheres Wohnquartier auf, in dem man vom rauen Image des Bahnhofsviertels wenig spürt.[8] Das passt zur Struktur: viel Wohnnutzung, grüne Achsen wie der Günthersburgpark, hohe Kaufkraft und vergleichsweise wenig Durchgangsverkehr in den Seitenstraßen.

Mit rund 55.600 Einwohnern auf kleiner Fläche hat das Nordend die hoechste Bevölkerungsdichte Frankfurts.[6] Diese Dichte erklärt, warum im Alltag viel los ist, sie macht den Stadtteil aber nicht unsicherer als andere Wohnlagen. Das relevanteste Alltagsrisiko ist auch hier der Wohnungseinbruch, der 2025 stadtweit deutlich gestiegen ist.

Statistischer StadtteilEinwohner (Stand 2024)
Nordend-Westrund 32.400
Nordend-Ost23.224
Nordend gesamtrund 55.600

Statistisch wird das Nordend in Nordend-West und Nordend-Ost geteilt, die Grenze bildet die Friedberger Landstrasse.[6] Im Sprachgebrauch und im Alltag bleibt es ein zusammenhaengender Kiez. Wer Zahlen zur Bevölkerung sucht, findet mehr dazu in unserem Überblick zu den Einwohnern des Nordends.

Kriminalitaet im Zeitverlauf

Über die letzten Jahre haben sich die Frankfurter Fallzahlen auf hohem, aber stabilem Niveau bewegt. Nach dem Corona-Tief stiegen sie 2022 kraeftig, erreichten 2023 mit 114.969 Faellen das Vor-Pandemie-Niveau und gehen seither leicht zurück.[1]

0k40k80k120k109.0472022114.9692023113.2672024113.6032025

Erfasste Straftaten in Frankfurt am Main pro Jahr. Quelle: Polizeipräsidium Frankfurt, Polizeiliche Kriminalstatistik.

JahrStraftaten gesamtHäufigkeitszahl je 100.000Aufklärungsquote
2022109.04714.363k. A.
2023114.969k. A.rund 66 %
2024113.26714.60063,7 %
2025113.60314.62462,5 %

Die Häufigkeitszahl liegt 2025 mit 14.624 nur knapp über dem Wert von 2024 (14.600) und weiter unter dem Niveau von 2019 (rund 15.200).[3] Frankfurt ist gemessen an der Einwohnerzahl also nicht unsicherer geworden, sondern bewegt sich seit Jahren in einem engen Korridor. Für ein Wohnviertel wie das Nordend ist die Entwicklung der gesamtstädtischen Gewaltdelikte und der Einbruchszahlen aussagekräftiger als die reine Gesamtbilanz.

Wer sind die Tatverdächtigen in Frankfurt?

Hinweis zur Datenebene

Die folgenden Tatverdächtigen-Zahlen gelten für ganz Frankfurt, nicht für das Nordend. Die Polizei Hessen veröffentlicht keine stadtteilbezogene Tatverdächtigenstatistik. Die stadtweiten Anteile lassen sich nicht eins zu eins auf einen einzelnen Stadtteil übertragen.

2025 hat die Frankfurter Polizei 49.803 Tatverdächtige ermittelt[1], 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon waren 71,9 Prozent männlich. Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sank überdurchschnittlich stark um 14,5 Prozent auf 6.630.

Kategorie (Frankfurt gesamt)Anzahl 2025ggü. 2024
Tatverdächtige insgesamt49.803-3,7 %
davon männlich37.067 (71,9 %)-2,1 %
davon weiblich14.647 (28,1 %)-3,5 %
über 21 Jahre43.173 (86,7 %)-1,8 %
unter 21 Jahre6.630 (13,3 %)-14,5 %
deutsche Tatverdächtige15.309+3,7 %
nichtdeutsche Tatverdächtige34.494 (69,3 %)-6,6 %

Deutsche und nichtdeutsche Tatverdächtige

Von den 49.803 Tatverdächtigen waren 2025 stadtweit 34.494 nichtdeutsche Staatsangehörige, das entspricht einem Anteil von 69,3 Prozent (minus 2,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr).[1] Diese Zahl ist erklärungsbedürftig und darf nicht ohne Einordnung weitergegeben werden.

Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße heraus, also Aufenthalts- und ähnliche Delikte, die nur Nichtdeutsche überhaupt begehen können, sinkt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger auf 57,0 Prozent.[1] Auch dieser Wert lässt sich nicht direkt auf das Nordend übertragen, weil Frankfurts Häufigkeitszahl stark vom Hauptbahnhof, vom Flughafen und vom Messe- und Pendlerverkehr geprägt ist, also von Menschen, die gar nicht in der Stadt wohnen, und das Nordend selbst nicht zu den von der Polizei benannten Kriminalitätsschwerpunkten zählt.

Wichtige methodische Einschränkungen

Diese Punkte sollte man kennen, bevor man mit den Zahlen argumentiert:

  • Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die PKS erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[2] Bis zum Urteil gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.
  • „Nichtdeutsch“ bezeichnet die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Ein im Nordend geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist. Eine Aufschlüsselung nach Migrationshintergrund gibt die PKS nicht her.
  • Touristen, Pendler und Reisende sind enthalten. Frankfurt ist ein Verkehrs- und Messeknoten. Wer als Durchreisender beim Ladendiebstahl erwischt wird, taucht in der Frankfurter Statistik auf, obwohl er ganz woanders wohnt. Das treibt sowohl die Häufigkeitszahl als auch den Nichtdeutschenanteil nach oben.
  • Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten belastete Gruppe. Da die nichtdeutsche Wohnbevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Anteile, ohne dass das etwas über einen einzelnen Menschen aussagt.
  • Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Tat wird angezeigt. Die Quoten unterscheiden sich nach Delikt und Wohnumfeld und beeinflussen, was überhaupt in der Statistik landet.

Häufige Fragen zur Kriminalitaet im Nordend

Gibt es eine Kriminalstatistik nur für das Nordend?

Nein. Das Polizeipräsidium Frankfurt veröffentlicht die Polizeiliche Kriminalstatistik nur für das gesamte Stadtgebiet, einzelne Brennpunkte wie das Bahnhofsviertel ausgenommen.[1] Eine offizielle Fallzahl ausschließlich für das Nordend gibt es oeffentlich nicht. Zahlen, die das behaupten, stammen in der Regel nicht aus einer amtlichen Quelle.

Ist das Nordend ein sicherer Stadtteil?

Das Nordend gilt als eines der sicheren, bürgerlichen Wohnquartiere Frankfurts und wird in Sicherheitseinordnungen regelmaessig mit Westend, Bornheim und Sachsenhausen genannt.[8] Vom rauen Image des Bahnhofsviertels, das gut zwei Kilometer entfernt liegt, ist im Alltag wenig zu spüren.

Welcher Frankfurter Stadtteil gilt als gefaehrlichster?

Der mit Abstand größte Brennpunkt ist das Bahnhofsviertel mit offener Drogenszene und einem hohen Anteil der stadtweiten Straßen- und Drogenkriminalitaet.[8] Auch Teile der Innenstadt sowie einzelne Lagen in Gallus und Höchst gelten als belasteter als reine Wohnviertel.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Frankfurt?

2025 lag die Aufklärungsquote stadtweit bei 62,5 Prozent, nach 63,7 Prozent im Jahr 2024.[1] Sie unterscheidet sich stark nach Delikt: Beim Wohnungseinbruch wurden 2025 nur 11,9 Prozent der Faelle aufgeklärt.

Welches Delikt ist im Nordend am relevantesten?

Für einen dicht bebauten Altbaustadtteil mit vielen Mehrfamilienhaeusern ist der Wohnungseinbruch das wichtigste Alltagsrisiko. Stadtweit stieg er 2025 um 26,6 Prozent auf 1.333 Faelle.[1] Taschendiebstahl und offene Drogenkriminalitaet konzentrieren sich dagegen auf das Bahnhofsumfeld, nicht auf das Nordend.

Wie hat sich die Kriminalitaet in Frankfurt entwickelt?

Die Gesamtzahl bewegt sich seit 2023 in einem engen Korridor zwischen rund 113.000 und 115.000 Straftaten pro Jahr.[1] Die Häufigkeitszahl liegt mit 14.624 weiter unter dem Vor-Corona-Wert von 2019. Auffaellig sind aber steigende Gewalt- und Einbruchsdelikte.

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