Wer im Nordend wohnt, kennt die Schlagzeilen über das Frankfurter Bahnhofsviertel, die offene Drogenszene und Messerangriffe in der Innenstadt.[7] Doch das Nordend liegt gut zwei Kilometer nördlich davon, zwischen Eschersheimer Landstraße und Friedberger Landstraße. Wie sicher ist dieser dicht bebaute Altbaukiez wirklich?
Wir haben die Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Frankfurt[1] und die hessische Jahresstatistik[3] ausgewertet und ordnen ein, wie das Nordend im Vergleich zum Rest der Stadt dasteht, welche Delikte die Frankfurter Bilanz prägen und wie sich die Lage über die letzten Jahre entwickelt hat. Vorab der wichtigste Hinweis, der diesen Text von Berliner Bezirksauswertungen unterscheidet.
Wichtig: In Frankfurt gibt es keine Kriminalstatistik je Stadtteil
Das Polizeipräsidium Frankfurt veröffentlicht die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) nur für das gesamte Stadtgebiet, nicht getrennt nach Stadtteilen wie dem Nordend.[1] Eine offizielle Fallzahl ausschließlich für das Nordend existiert öffentlich also nicht. Wir zeigen deshalb die belastbaren gesamtstädtischen Zahlen und ordnen das Nordend qualitativ ein, anhand der Lagebilder der Polizei und der bekannten Brennpunkte.
- Gibt es offizielle Kriminalzahlen nur fürs Nordend?
- Wie viele Straftaten gab es 2025 in Frankfurt?
- Frankfurt im Vergleich: die hessischen Großstädte
- Die häufigsten Delikte in Frankfurt
- Wie sicher ist das Nordend im Stadtvergleich?
- Kriminalitaet im Zeitverlauf
- Häufige Fragen zur Kriminalitaet im Nordend
- Quellen
Gibt es offizielle Kriminalzahlen nur fürs Nordend?
Nein. Anders als etwa die Polizei Berlin mit ihrem Kriminalitätsatlas weist die Frankfurter Polizei keine Fallzahlen je Stadtteil aus. Die PKS endet auf Stadtebene, ergänzt um einzelne Brennpunkte wie das Bahnhofsviertel und die Innenstadt, die gesondert betrachtet werden.[1] Auch die städtische Statistikstelle, das Bürgeramt, Statistik und Wahlen, führt in den Frankfurter Stadtteildaten Einwohner, Fläche und Sozialstruktur, aber keine Polizeidaten.[6]
Wer also liest, ein bestimmter Stadtteil habe genau so viele Straftaten, sollte vorsichtig sein: Solche Zahlen stammen fast nie aus einer offiziellen Quelle. Belastbar ist die gesamtstädtische Statistik, und genau die schauen wir uns jetzt an.
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Frankfurt?
Im Jahr 2025 hat die Frankfurter Polizei insgesamt 113.603 Straftaten[1] erfasst. Das sind nur 336 Faelle mehr als im Vorjahr (113.267 in 2024), ein nahezu unverändertes Niveau. Die Aufklärungsquote lag bei 62,5 Prozent, also rund zwei von drei Faellen, leicht niedriger als 2024 (63,7 Prozent).
Aussagekräftiger als die reine Fallzahl ist die Häufigkeitszahl. Sie lag 2025 bei 14.624 Straftaten je 100.000 Einwohner.[2] Damit steht Frankfurt im bundesweiten Städtevergleich sehr weit oben, was aber stark mit der Methodik zusammenhaengt, nicht allein mit echter Unsicherheit.
Wie ist die Häufigkeitszahl zu lesen?
Die Häufigkeitszahl gibt an, wie viele Straftaten pro 100.000 Einwohner registriert wurden.[2] Sie macht Städte unterschiedlicher Größe vergleichbar. Für Frankfurt ist sie aus einem Grund verzerrt: Tagsüber ist die Stadt eine Millionenmetropole mit Pendlern, Touristen und dem größten deutschen Flughafen, gerechnet wird aber nur gegen die rund 780.000 Einwohner. Straftaten am Flughafen und auf Bahnanlagen fließen voll in die Frankfurter Bilanz ein, auch wenn die Tatverdächtigen gar nicht hier wohnen.
Frankfurt im Vergleich: die hessischen Großstädte
Innerhalb Hessens führt Frankfurt die Häufigkeitszahl mit deutlichem Abstand an.[3] Das liegt vor allem an Pendlerstrom, Tourismus, Flughafen und Bahnhof. Für den Alltag in einem Wohnviertel wie dem Nordend sagt dieser Spitzenplatz wenig aus.
| Rang | Stadt | Häufigkeitszahl je 100.000 Einwohner (2025) |
|---|---|---|
| 1 | Frankfurt am Main | 14.624 |
| 2 | Offenbach am Main | 13.064 |
| 3 | Kassel | 12.640 |
| 4 | Wiesbaden | 10.842 |
| 5 | Darmstadt | 10.388 |
Die Werte zeigen: Frankfurt liegt bei der Häufigkeitszahl klar vor Offenbach und Kassel. Für ein ruhiges Wohnquartier ist der gesamtstädtische Wert aber nur bedingt aussagekräftig, weil er stark von der Innenstadt und dem Bahnhofsumfeld getrieben wird.
Die häufigsten Delikte in Frankfurt
Die Frankfurter Bilanz 2025 wird von einigen wenigen Deliktgruppen geprägt. Auffaellig waren der Anstieg der Gewalt- und Rohheitsdelikte sowie ein neuer Höchststand bei der häuslichen Gewalt, waehrend Taschendiebstahl und Straßenraub im Bahnhofsumfeld zurückgingen.[1] Die wichtigsten Werte im Überblick:
| Delikt (Frankfurt gesamt) | Fälle 2025 |
|---|---|
| Straftaten insgesamt | 113.603 |
| Rohheitsdelikte (Körperverletzung, Raub, Bedrohung u. a.) | 16.005 |
| Rauschgiftdelikte insgesamt | 4.152 |
| Taschendiebstahl | 2.433 |
| Häusliche Gewalt | 2.281 |
| Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung | 1.772 |
| Wohnungseinbruchdiebstahl | 1.333 |
| Straßenraub | 564 |
| Straßendealerei (offene Drogenszene) | 745 |
| Mord und Totschlag (inkl. Versuche) | 72 |
Was hinter den Zahlen steckt:
- Gewaltdelikte legen zu. Die Rohheitsdelikte stiegen auf 16.005 Faelle (Vorjahr 14.520), getrieben von mehr Körperverletzungen, Bedrohungen und Beleidigungen.[1]
- Taschendiebstahl geht zurück. Stadtweit 2.433 Faelle, ein Minus von 22,7 Prozent. Besonders im Bahnhofsumfeld wirkten Präsenz, Kontrollen und Videotechnik. Für das Nordend, das kein touristischer Hotspot ist, war Taschendiebstahl ohnehin nie das prägende Thema.[1]
- Häusliche Gewalt auf Rekordniveau. 2.281 Faelle bedeuten ein Plus von 10,7 Prozent, rund 80 Prozent der Opfer sind weiblich.[1] Dieses Delikt verteilt sich über alle Stadtteile, auch über bürgerliche Wohnlagen.
- Wohnungseinbruch zieht spürbar an. 1.333 Faelle, ein Plus von 26,6 Prozent gegenüber 2024.[1] Die Aufklärungsquote ist mit nur 11,9 Prozent niedrig. Für einen dicht bebauten Altbaustadtteil wie das Nordend mit vielen Mehrfamilienhaeusern ist das die relevanteste Deliktgruppe im Alltag.
- Die offene Drogenszene bleibt im Bahnhofsviertel. Die Straßendealerei verdoppelte sich rechnerisch auf 745 Faelle, konzentriert sich aber auf das Bahnhofsumfeld, nicht auf Wohnviertel im Norden.[1]
Wie sicher ist das Nordend im Stadtvergleich?
Auch ohne Stadtteil-PKS laesst sich das Nordend belastbar einordnen. Der schlechte Ruf Frankfurts speist sich fast ausschließlich aus wenigen, eng begrenzten Arealen: dem Bahnhofsviertel als härtestem Brennpunkt, Teilen der Innenstadt sowie einzelnen Lagen in Gallus und Höchst.[8] Das Nordend gehoert nicht dazu.
In Sicherheitseinordnungen taucht das Nordend regelmaessig zusammen mit Westend, Bornheim und Sachsenhausen als lebendiges, sicheres Wohnquartier auf, in dem man vom rauen Image des Bahnhofsviertels wenig spürt.[8] Das passt zur Struktur: viel Wohnnutzung, grüne Achsen wie der Günthersburgpark, hohe Kaufkraft und vergleichsweise wenig Durchgangsverkehr in den Seitenstraßen.
Mit rund 55.600 Einwohnern auf kleiner Fläche hat das Nordend die hoechste Bevölkerungsdichte Frankfurts.[6] Diese Dichte erklärt, warum im Alltag viel los ist, sie macht den Stadtteil aber nicht unsicherer als andere Wohnlagen. Das relevanteste Alltagsrisiko ist auch hier der Wohnungseinbruch, der 2025 stadtweit deutlich gestiegen ist.
| Statistischer Stadtteil | Einwohner (Stand 2024) |
|---|---|
| Nordend-West | rund 32.400 |
| Nordend-Ost | 23.224 |
| Nordend gesamt | rund 55.600 |
Statistisch wird das Nordend in Nordend-West und Nordend-Ost geteilt, die Grenze bildet die Friedberger Landstrasse.[6] Im Sprachgebrauch und im Alltag bleibt es ein zusammenhaengender Kiez. Wer Zahlen zur Bevölkerung sucht, findet mehr dazu in unserem Überblick zu den Einwohnern des Nordends.
Kriminalitaet im Zeitverlauf
Über die letzten Jahre haben sich die Frankfurter Fallzahlen auf hohem, aber stabilem Niveau bewegt. Nach dem Corona-Tief stiegen sie 2022 kraeftig, erreichten 2023 mit 114.969 Faellen das Vor-Pandemie-Niveau und gehen seither leicht zurück.[1]
Erfasste Straftaten in Frankfurt am Main pro Jahr. Quelle: Polizeipräsidium Frankfurt, Polizeiliche Kriminalstatistik.
| Jahr | Straftaten gesamt | Häufigkeitszahl je 100.000 | Aufklärungsquote |
|---|---|---|---|
| 2022 | 109.047 | 14.363 | k. A. |
| 2023 | 114.969 | k. A. | rund 66 % |
| 2024 | 113.267 | 14.600 | 63,7 % |
| 2025 | 113.603 | 14.624 | 62,5 % |
Die Häufigkeitszahl liegt 2025 mit 14.624 nur knapp über dem Wert von 2024 (14.600) und weiter unter dem Niveau von 2019 (rund 15.200).[3] Frankfurt ist gemessen an der Einwohnerzahl also nicht unsicherer geworden, sondern bewegt sich seit Jahren in einem engen Korridor. Für ein Wohnviertel wie das Nordend ist die Entwicklung der gesamtstädtischen Gewaltdelikte und der Einbruchszahlen aussagekräftiger als die reine Gesamtbilanz.
Häufige Fragen zur Kriminalitaet im Nordend
Gibt es eine Kriminalstatistik nur für das Nordend?
Nein. Das Polizeipräsidium Frankfurt veröffentlicht die Polizeiliche Kriminalstatistik nur für das gesamte Stadtgebiet, einzelne Brennpunkte wie das Bahnhofsviertel ausgenommen.[1] Eine offizielle Fallzahl ausschließlich für das Nordend gibt es oeffentlich nicht. Zahlen, die das behaupten, stammen in der Regel nicht aus einer amtlichen Quelle.
Ist das Nordend ein sicherer Stadtteil?
Das Nordend gilt als eines der sicheren, bürgerlichen Wohnquartiere Frankfurts und wird in Sicherheitseinordnungen regelmaessig mit Westend, Bornheim und Sachsenhausen genannt.[8] Vom rauen Image des Bahnhofsviertels, das gut zwei Kilometer entfernt liegt, ist im Alltag wenig zu spüren.
Welcher Frankfurter Stadtteil gilt als gefaehrlichster?
Der mit Abstand größte Brennpunkt ist das Bahnhofsviertel mit offener Drogenszene und einem hohen Anteil der stadtweiten Straßen- und Drogenkriminalitaet.[8] Auch Teile der Innenstadt sowie einzelne Lagen in Gallus und Höchst gelten als belasteter als reine Wohnviertel.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Frankfurt?
2025 lag die Aufklärungsquote stadtweit bei 62,5 Prozent, nach 63,7 Prozent im Jahr 2024.[1] Sie unterscheidet sich stark nach Delikt: Beim Wohnungseinbruch wurden 2025 nur 11,9 Prozent der Faelle aufgeklärt.
Welches Delikt ist im Nordend am relevantesten?
Für einen dicht bebauten Altbaustadtteil mit vielen Mehrfamilienhaeusern ist der Wohnungseinbruch das wichtigste Alltagsrisiko. Stadtweit stieg er 2025 um 26,6 Prozent auf 1.333 Faelle.[1] Taschendiebstahl und offene Drogenkriminalitaet konzentrieren sich dagegen auf das Bahnhofsumfeld, nicht auf das Nordend.
Wie hat sich die Kriminalitaet in Frankfurt entwickelt?
Die Gesamtzahl bewegt sich seit 2023 in einem engen Korridor zwischen rund 113.000 und 115.000 Straftaten pro Jahr.[1] Die Häufigkeitszahl liegt mit 14.624 weiter unter dem Vor-Corona-Wert von 2019. Auffaellig sind aber steigende Gewalt- und Einbruchsdelikte.