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Nachrichten aus dem Nordend
Lokales

Die 13 besten Sehenswürdigkeiten im Frankfurter Nordend

Vom Wasserschloss über den chinesischen Garten bis zur längsten Einkaufsstraße der Stadt: ein Streifzug durch Frankfurts schönsten Gründerzeitstadtteil.

Von Dirk Ludwig | 21. Juni 2026
Die 13 besten Sehenswürdigkeiten im Frankfurter Nordend © Foto: Christian Wolf (www.c-w-design.de) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 de)
Gründerzeitfassaden prägen das Frankfurter Nordend, den dichtbesiedeltsten Stadtteil der Stadt.

Das Nordend gilt vielen Frankfurtern als der schönste Wohnstadtteil der Stadt, und touristisch steht es trotzdem im Schatten von Römer, Mainufer und Bankenskyline. Dabei beginnt das Viertel direkt hinter der Wallanlage und ist von der Innenstadt in wenigen Minuten zu Fuß oder mit der U-Bahn erreichbar.

Wer sich Zeit nimmt, findet den dichtbesiedeltsten Stadtteil Frankfurts, mit über 55.000 Einwohnern auf gut viereinhalb Quadratkilometern, voller Gründerzeitfassaden, alter Parks, eines chinesischen Gartens und zweier Boulevards, die zu den lebendigsten der Stadt gehören. Dreizehn Orte, die zeigen, warum sich der Streifzug lohnt.

Was dich erwartet

1. Günthersburgpark

  • Adresse: Wetteraustraße / Hartmann-Ibach-Straße, 60389 Frankfurt
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Familien, Spaziergänger, Sonnenbader
  • Verkehr: U-Bahn Höhenstraße (U4) oder Bornheim Mitte (U4)

Der Günthersburgpark ist das grüne Herz des Nordend-Ost. Die Anlage geht auf den Landsitz zurück, den der Bankier Carl Mayer von Rothschild ab den 1830er Jahren auf dem Gelände des alten Glauburger Hofs anlegen ließ. Seit 1892 ist der Park öffentlich zugänglich.

Heute prägen alter Baumbestand, weite Liegewiesen, ein Spielplatz und ein Wasserspielbereich das Bild. An sonnigen Tagen füllt sich der Park mit Familien und Studenten. Kurios: Schon in der Antike lag hier eine römische Villa mit Gutshof, der zur Stadt Nida im heutigen Heddernheim gehörte. Mehr zur Frühgeschichte des Viertels findest du in unserem Überblick zur Geschichte des Nordends.

2. Bethmannpark und Garten des Himmlischen Friedens

  • Adresse: Friedberger Landstraße 32, 60316 Frankfurt
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Ruhesuchende, Fotografen, Gartenfreunde
  • Öffnung Chinagarten: Mo bis Fr ab 7 Uhr, Sa und So ab 10 Uhr, bis zur Dämmerung

Am Rand der Wallanlage liegt der Bethmannpark, einst Privatgarten der Bankiersfamilie Bethmann. Sein größter Schatz ist seit 1989 der Garten des Himmlischen Friedens, einer der wenigen authentischen chinesischen Gärten Deutschlands.

Die Stadt begann die Anlage 1985, das Baumaterial kam in 27 Seecontainern aus China, und 16 eigens angereiste chinesische Fachleute errichteten Pavillons mit geschwungenen Dächern, filigrane Brücken und einen Teich mit Seerosen. Der Name erinnert an die Opfer des Tian'anmen-Massakers im Frühsommer 1989. Hinter den Mauern wird der Großstadtlärm überraschend leise.

3. Holzhausenschlösschen und Holzhausenpark

  • Adresse: Justinianstraße 5, 60322 Frankfurt
  • Eintritt: Park frei, Veranstaltungen je nach Programm
  • Geeignet für: Architekturfreunde, Konzertbesucher, Familien
  • Verkehr: U-Bahn Holzhausenstraße (U1, U2, U3, U8)

Mitten im westlichen Nordend steht ein echtes Wasserschloss. Die Patrizierfamilie von Holzhausen ließ es zwischen 1727 und 1729 nach Plänen des Hofbaumeisters Louis Remy de la Fosse errichten, auf einem Anwesen, das schon seit 1503 in Familienbesitz war. Das barocke Schlösschen erhebt sich von einem Wassergraben umgeben über einer kleinen Insel.

Adolph von Holzhausen, der letzte männliche Erbe der Linie, vermachte Schloss und Park der Stadt für kulturelle und wissenschaftliche Zwecke. Heute hat die 1989 gegründete Frankfurter Bürgerstiftung hier ihren Sitz und veranstaltet rund 300 Konzerte, Lesungen und Ausstellungen im Jahr. Der Holzhausenpark ringsum ist ein beliebter Treffpunkt im Viertel.

4. Berger Straße

  • Verlauf: von der Friedberger Anlage bis Seckbach
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Bummler, Genießer, Nachtschwärmer
  • Verkehr: U-Bahn Merianplatz oder Höhenstraße (U4)

Die Berger Straße ist mit rund 2,9 Kilometern die längste Einkaufsstraße Frankfurts. Sie verbindet die Innenstadt über das Nordend mit Bornheim und Seckbach und trägt ihren heutigen Namen seit 1862. Im Nordend-Abschnitt reiht sich Café an Weinlokal, Boutique an Eisdiele.

Anders als eine geplante Prachtstraße ist die Berger Straße aus vielen Teilstrecken zusammengewachsen, was ihren bunten, ungeordneten Charme erklärt. Wer das Viertel an einem Nachmittag kennenlernen will, läuft sie einfach ab. Tipps für die schönsten Adressen sammeln wir in unserer Übersicht zu den Cafés im Nordend.

5. Oeder Weg

  • Verlauf: von der Eschenheimer Anlage bis zur Eckenheimer Landstraße
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Shopping, Flaneure, Feierabendgänger
  • Verkehr: U-Bahn Eschenheimer Tor oder Grüneburgweg

Der Oeder Weg ist der zweite große Boulevard des Nordends und in den vergangenen Jahren zu einer der lebendigsten Geschäftsstraßen der Stadt geworden. Inhabergeführte Läden, Cafés, Handwerksbetriebe und Restaurants bestimmen das Bild der Erdgeschosse.

Historisch ist die Straße bemerkenswert: Im 19. Jahrhundert lag hier eines der ersten Industriegebiete Frankfurts, und am 23. Juni 1836 ging am Oeder Weg die erste Dampfmaschine der Freien Stadt Frankfurt in Betrieb. Heute erinnert nichts mehr an die Fabriken, der Weg ist breit, begrünt und an warmen Abenden voller Leben.

6. Frankfurter Hauptfriedhof

  • Adresse: Eckenheimer Landstraße 194, 60320 Frankfurt
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Spaziergänger, Geschichtsinteressierte, Naturfreunde
  • Verkehr: U-Bahn Hauptfriedhof (U5)

Der Hauptfriedhof wurde am 1. Juli 1828 nach Plänen des Stadtgärtners Sebastian Rinz im Stil eines englischen Landschaftsparks eröffnet. Aus ursprünglich 5,6 Hektar ist über die Jahrzehnte eine rund 70 Hektar große Anlage geworden, die größte Grünfläche im westlichen Nordend.

Mit etwa 8.000 aufwendigen Grabmonumenten ist der Friedhof zugleich ein Freiluftmuseum der Stadtgeschichte. Hier ruhen unter anderem der Philosoph Arthur Schopenhauer, der Struwwelpeter-Autor Heinrich Hoffmann, der Mundartdichter Friedrich Stoltze, der Mediziner Alois Alzheimer und der Oberbürgermeister Franz Adickes. Zusammen mit den angrenzenden jüdischen Friedhöfen bildet er einen der größten Friedhofskomplexe Deutschlands.

7. Alter Jüdischer Friedhof Rat-Beil-Straße

  • Adresse: Rat-Beil-Straße, 60320 Frankfurt
  • Eintritt: frei (Männer mit Kopfbedeckung)
  • Geeignet für: Geschichtsinteressierte, stille Spaziergänger
  • Verkehr: U-Bahn Hauptfriedhof (U5)

Direkt neben dem Hauptfriedhof liegt der Alte Jüdische Friedhof an der Rat-Beil-Straße, eröffnet 1828 als Nachfolger des mittelalterlichen Friedhofs an der Battonnstraße. Er ist ein bedeutendes Zeugnis der einst großen jüdischen Gemeinde Frankfurts.

Auf dem nördlich anschließenden Neuen Jüdischen Friedhof finden sich unter anderem die Familiengruft der Rothschilds und das Grab von Leopold Sonnemann, dem Gründer der Frankfurter Zeitung. Auch Bertha Pappenheim, eine der wichtigsten Sozialpolitikerinnen des frühen 20. Jahrhunderts, wurde hier beigesetzt. Die Friedhöfe sind Orte der Erinnerung an ein Kapitel, das die Stadt bis heute prägt.

8. Deutsche Nationalbibliothek

  • Adresse: Adickesallee 1, 60322 Frankfurt
  • Eintritt: Lesesäle gegen Jahres- oder Tagesausweis, Ausstellungen frei
  • Geeignet für: Leseratten, Architekturfans, Studierende
  • Verkehr: U-Bahn Deutsche Nationalbibliothek (U5)

An der Ecke Adickesallee und Eckenheimer Landstraße steht die Deutsche Nationalbibliothek, neben Leipzig der zweite große Standort der zentralen Archivbibliothek Deutschlands. Hier wird gesammelt, was seit 1913 in deutscher Sprache erscheint.

Auffällig sind die markanten Backsteinskulpturen des dänischen Künstlers Per Kirkeby vor dem Gebäude. Im Haus sind das Deutsche Buch- und Schriftmuseum und das Deutsche Exilarchiv untergebracht, deren Ausstellungen auch für Besucher ohne Bibliotheksausweis offenstehen.

9. Funkhaus am Dornbusch (Hessischer Rundfunk)

  • Adresse: Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt
  • Eintritt: Veranstaltungen im hr-Sendesaal nach Programm
  • Geeignet für: Konzertbesucher, Architekturinteressierte
  • Verkehr: U-Bahn Dornbusch (U1, U2, U3, U8)

Im nördlichen Nordend liegt das Funkhaus des Hessischen Rundfunks. Der markante Rundbau hat eine erstaunliche Vorgeschichte: Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war hier ein Sitzungssaal für das künftige Bundesparlament geplant, der bewusst an die Form der Paulskirche erinnerte. Als die Wahl auf Bonn fiel, wurde der Bau zum Rundfunkhaus umgenutzt.

Die sogenannte Goldhalle, eigentlich als Parlamentsfoyer gedacht, dient heute als Eingang zum hr-Sendesaal. Dort finden Konzerte, Aufzeichnungen und öffentliche Veranstaltungen statt, vom Sinfoniekonzert bis zur Jazznacht.

10. Gründerzeitviertel rund um den Holzhausenpark

  • Adresse: rund um Eysseneckstraße, Cronstettenstraße, Holzhausenstraße
  • Eintritt: frei (bewohnt, Außenbesichtigung)
  • Geeignet für: Architekturfreunde, Spaziergänger
  • Tipp: Fassadendetails im Abendlicht

Das Nordend ist das Gründerzeitviertel Frankfurts schlechthin. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden hier breite Boulevards im wilhelminischen Stil, gesäumt von meist vierstöckigen Reihenhäusern mit aufwendig gestalteten Fassaden. Roter Sandstein als Sockelverkleidung gehört zum typischen Bild.

Besonders dicht erhalten sind die Häuserzeilen in Neorenaissance und spätem Klassizismus im Bereich um den Holzhausenpark und das Diakonissenviertel. Ein Spaziergang durch die Seitenstraßen zeigt, warum das Nordend bis heute als eine der begehrtesten Wohnlagen der Stadt gilt. Wie sich das auf die Preise auswirkt, liest du in unserer Übersicht zum Mietspiegel im Nordend.

11. Kühhornshof (Bertramshof)

  • Adresse: Bertramstraße, 60320 Frankfurt (auf dem hr-Gelände)
  • Eintritt: nur zu besonderen Anlässen zugänglich
  • Geeignet für: Geschichtsinteressierte
  • Tipp: der Turm ist von der Straße gut sichtbar

Versteckt auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks steht ein Rest des alten ländlichen Nordends. Der Turm des Kühhornshofs stammt vermutlich aus dem frühen 16. Jahrhundert und wurde auf den Resten eines eingestürzten Vorgängers errichtet. 1600 erwarb Heinrich von Bertram das Anwesen, weshalb der Hof auch Bertramshof genannt wird.

Seine heutige Gestalt erhielt der Turm bei einer Umgestaltung 1715. Er ist eines der ältesten Bauwerke im ganzen Stadtteil und erinnert daran, dass das dicht bebaute Nordend einst aus weit verstreuten Patrizierhöfen bestand, geschützt von der spätmittelalterlichen Frankfurter Landwehr.

12. St. Bernhard und die Kirchen des Nordends

  • Adresse: St. Bernhard, Eckenheimer Landstraße 137, 60318 Frankfurt
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Architekturfreunde, ruhige Momente
  • Verkehr: U-Bahn Glauburgstraße (U5)

Mit dem rasanten Wachstum des Viertels entstanden ab den 1880er Jahren zahlreiche Kirchen. Die evangelische Lutherkirche und die Zionskirche wurden 1888 als erste Gotteshäuser des Nordends errichtet, es folgten die Immanuel- und die Epiphaniaskirche um 1900.

St. Bernhard von 1906 war die erste katholische Kirche des Nordends. Viele der Bauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 1950er Jahren wieder aufgebaut, darunter St. Michael und die Wartburgkirche. Wer durch das Viertel geht, stößt fast in jedem Block auf einen Kirchturm, ein stilles Zeugnis der Gründerzeit.

13. Bornheimer Hang und Siedlung Bornheimer Hang

  • Adresse: Saalburgallee / Inheidener Straße, am Übergang zu Bornheim
  • Eintritt: frei (bewohnt, Außenbesichtigung)
  • Geeignet für: Architekturfans, Anhänger des Neuen Frankfurt
  • Verkehr: U-Bahn Habsburgerallee (U4)

Am östlichen Rand, dort wo das Nordend in Bornheim übergeht, ließ Stadtbaurat Ernst May zwischen 1926 und 1930 eine große Wohnsiedlung errichten. In nur vier Jahren entstanden hier rund 1.234 Wohnungen, gebaut mit industriell vorgefertigten Bauteilen.

Die Siedlung am Bornheimer Hang gehört zum Neuen Frankfurt, dem wegweisenden Wohnungsbauprogramm der Weimarer Republik, mit dem die Stadt bezahlbare, lichte und durchgrünte Wohnungen für breite Schichten schuf. Wer sich für Architektur des 20. Jahrhunderts interessiert, findet hier ein lebendiges Gegenstück zu den Gründerzeitvierteln im Westen.

Drei Geheimtipps für später
  • Wasserpark: kleine grüne Insel zwischen Friedberger Landstraße und Wasserweg, ruhiger als die großen Parks
  • Adlerflychtplatz: begrünter Platz mit Wochenmarkt-Atmosphäre und schönen Altbauten ringsum
  • Berger Straße bei Nacht: die Bars zwischen Merianplatz und Höhenstraße sind unter der Woche entspannter als am Wochenende

Ausblick: ein Viertel zum Verweilen

Das Nordend ist kein Ort, an dem man eine Liste abarbeitet. Es ist ein Stadtteil zum Schlendern, in dem die Sehenswürdigkeit oft die Straße selbst ist: eine Gründerzeitfassade, ein alter Park, ein Café mit Tischen auf dem Gehweg.

Wer einen Nachmittag mitbringt, kann den Günthersburgpark, die Berger Straße und den chinesischen Garten bequem zu Fuß verbinden. Und wer mehr über das Viertel wissen will, findet bei uns weitere Hintergründe zu den Stadtteilen rund ums Nordend und zur Bevölkerung des Nordends.

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